2. Oktober 2020

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NEWS rund um den FC Bayern München –

Hernández als rechter Verteidiger ?

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Lahm-Effekt, Falsch-Fuß-Taktik. Arjen Robben, Lionel Messi. Diese Spieler sind mit einem besonderen Merkmal Weltstars geworden: Der starke Fuß auf der sekundären Spielfeldseite.

Dieses Merkmal wird immer wieder diskutiert, meistens die Vorteile in der Offensive. Aber wie riskant ist ein RV/LV im Passspiel zum IV empfangend/passend. Hansi Flick und das Hernández-Experiment als Lösung für einen Pavard-Backup ? Hier nun erklärt.

Felix Magath war es, der auf die Idee kam, am 20.09.2003 in die Startelf den damals noch 19jährigen Lahm als Rechtsfuß auf die linke Verteidigerposition für Heiko Gerber zu bringen. Es war DER Anfang einer Weltkarriere. Natürlich war es ideal, das gerade in der damaligen Nationalelf es an einem Klasse-LV fehlte. Jürgen Klinsmann übernahm diese Idee. Als Lehrbeispiel dient bis heute das 1:0 gegen Costa Rica bei der WM 2006.

Viele Trainer trauen sich aber bis noch heute nicht, dieses Experiment zu wählen und es zur Regelmäßigkeit zu machen. Kann es Flick, kann es Lucas Hernández ?

Beginnen wir aber in der Defensive, da dort die Spieleröffnung und die wichtigste Zusammenarbeit besteht: Außenverteidiger mit Innenverteidiger. Ein Linksfuß-RV wird angespielt von einem rechten IV (z.B. Süle) angespielt wird.

Hernández wird den Ball mit der linken Innenseite annehmen, ist er aber auch stark genug, den Ball mit rechts anzunehmen und bei gegnerischen Angriffspressing sofort offensiv weiterzuspielen ?  Antwort: ja. Nach verschiedenen Analysen per Videomaterial ist das durchaus möglich.

Auf links müssen Linksfüßler „ungeschützt“ vor dem pressenden Gegner den Ball zurückspielen, daher nutzen sie alternativ den schwächeren Fuß, wenn es situativ nicht anders durchzuführen ist. Grundsätzlich ist es im heutigen und gerade im TOP-Fussball sowieso notwendig, sich beidfüßig zu orientieren, für den Fall der Fälle. Irgendwann musst du den schwachen Fuß nutzen, zum Beispiel an der eigenen Grundlinie, wenn nur noch der Rückpass zum TW möglich ist. Aber auch hier ist Hernández ruhig und sicher genug, ausnahmsweise den Ball mit dem „Schwachen“ zu spielen.

Vorteil für Hernández liegt auf der Hand: Auf Rechtaussen kann er mit seinem stärkeren Fuß besser den Ball über die Seitenlinie grätschen. Auf links müsste er sich eine halbe Sekunde vorbereiten, um den starken linken Fuß nach rechts zu bringen und der Gegenspieler kann in dem Moment vorbeidribbeln. Beim Pass zu Süle/Boateng kann er mit der linken Innenseite geschützt sicher den Ball zurückgeben.

Offensiv kann Hernández die Effekte von Lahm oder Robben nutzen, da er einen starken Schuss vorzeigen kann. Zudem kann ein plötzlicher No-Look-Pass mit links nach Rechtaussen für einen kreuzenden z.B. Gnabry oder Müller in die Tiefe als unglaublich nützlich erweisen, da man seine Körperbewegung im Gegensatz zu Pavard, der oft die Flanke und Laufweg vorher schon anzeigt durch die Körperbewegung, nicht einschätzen kann in diesem Moment.

Weiterer Vorteil ist wachsende „Polyvalenz“ in der Verteidigung. Aus einem Spieler mach 2.
Zudem ist Hernández sogar noch etwas schneller und härter im Gegensatz zu Pavard, dank seines früheren Trainer Diego Simeone (unter ihm 110 Spiele) bei Atletico Madrid.

Selbst wenn der FC Bayern die nächsten Tage noch einen RV finden sollte, ist diese hier beschriebene Variante längst nicht aus der Welt.