28. August 2020

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NEWS rund um den FC Bayern München –

Kick & Rush reloaded

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Der Klassiker, der Kick & Rush“holte zuletzt 2x die Champions League. Allerdings ist es ein Rückschritt und Erklärung für Probleme in der fussball-technischen Entwicklung. Das ist aber nicht die Geschichte des Fussball. Denn fast nach jeder WM gab es ein neues System, eine neue Spielweise. Die Champions League wurde geholt durch jahrelange Geduld, ein neues Spielmodell zu basteln und zu präsentieren. Beispiele gibt es seit den Anfängen mehr als genug. Vom totalen Angriffssystem der schottischen Furche (2-3-5) bis etwa 1950 wurden die Systeme defensiver, was aber die Sicherheitsgründe aufgrund der „Konteranfälligkeit“ (die bei Bayern und Liverpool ja gegeben ist) waren.

So wie ein 2-3-5 in Verbindung mit dem guten alten Kick & Rush aus England, also lang lang, mit fast allen drauf und dann mal schauen, ob der Gegner unsortiert ist. Ja, damit wurden früher sehr viele Tore erzielt. Allerdings funktionierte dies nicht mehr, weil die Defensive sich ordnete und intelligenter wurde, auch robuster. Vincente Feola, der brasilianische WM-Coach von 1958 entwickelte für den damals 17jährigen Pele die erste Gegenlösung. Mit einem 4-2-4 stabilisierte er die defensive, und schaltete als erstes Team in damals Rekordzeit offensiv um. So entstand das Umschaltspiel, das bis heute entwickelt wurde und noch viele Räume für Neues freilässt. Diese Räume füllte Guardiola sehr intensiv, als er 2009 Barca übernahm. Frank Rijkaard entwickelte davor das Modell „Mittelfeldpressing mit anschliegenden Umschaltspiel“ kurz nach Überschreiten der Mittellinie, das für die Achse Deco-Ronaldinho und Etoó enormer Erfolg war. Guardiola übernahm dieses Modell, fügte dazu die Ideen eines Johan Cruyff, bereits zu seiner Zeit ein Verfechter des Duos Kombinationsfussball/Umschaltspiel (Totaal Voetbal), herauskam das beste Barca und beste Bayern München aller Zeiten. Spieltechnisch betrachtet. Nicht immer sind aber Titel damit verknüpft, denn sonst hätte man die defensive Griechen-Taktik von der EM 2004 übernommen. Für ein Turnier kann ein altes oder schnell neu angepasstes System durchaus erfolgreich sein, allerdings nicht über Jahre.

Der FC Liverpool konnte seine Spielweise nur noch sporadisch in der letzten Saison einsetzen und konnte dank knapper Siege nach 30 Jahren wieder englischer Meister werden. Aber in der CL war dieses Jahr schnell Feierabend. Der moderne Fussball konnte nach Guardiolas (bleibt derzeit auch bei Mancity stehen) perfekten Fussball nicht mehr weiterentwickelt werden. Wie bereits nach 1958 mit dem WM-Sieg Brasilien oder den Ajax-70ern sowie Cruyffs Landesmeister-Sieg 1992 mit Barca zeigen, das zwar immer wieder neue Ideen oder eben wie aktuell von Bayern bespieltes „Schottische Furche 2020“ kurzzeitig Erfolg verbuchen können, aber schnell wieder verschwinden, weil der Fussball Sport ist und dieser immer wieder perfektioniert wird.

Das aktuelle Bayern-Spiel ist optisch durchaus spektakulär, aber einseitig. Abhängig vom Gegner, weil kein Ballbesitz über längere Zeit nötig. Macht der Gegner keinen Fehler, köpft er den Ball raus, haut er den Ball sofort mit aller Wucht wieder zurück, gibt es keine weiteren Alternativen. Einerseits kann folgendes passieren: Ein 5:4 wird Häufigkeit, entweder als Sieg, aber auch als Niederlage.

Hansi Flick müsste nun folgendes vorbereiten: Der schottischen Furche die Logik geben. Das schnelle Kurz-Pass-Spiel wieder mit einfügen, wobei aber eben die Defensive stärken muss. Bei einem 2-3-5 ein gewaltiger Akt, der nur mit AVs wie Davies funktioniert. Dies aber über 90 Minuten permanent. Diese Geschwindigkeit hatte Barca nicht. Zwar starke Spieler wie Alves oder Abidal aussen, aber Davies ist aufgrund der Schnelligkeit nochmal eine Komponente, die für einen neuen Stand des Fussballs eingebaut werden kann. Diese Variante wäre die perfekteste Art, Fussball von hinten bis vorn und wieder nach hinten zu spielen. Allerdings dürfte dies auch der Plan von Tuchel, Nagelsmann sein und sicherlich wird ein Guardiola längst einen neuen Plan bereithalten. Vielleicht taucht ja ein Trainer wie Sebastian Hoeneß plötzlich auf und präsentiert etwas „Unglaubliches“.